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Gott, der jedem von uns das Leben geschenkt hat, steht zu diesem Leben, und das unwiderruflich und auf Dauer. Er möchte jedes Leben zur Vollendung führen.
In Jesus Christus wird uns diese großartige Bestimmung jeden Lebens auf unüberbietbare Weise gezeigt: Sein Leben ist zwar dem Leiden und dem irdischen Tod unterworfen, aber das Ja und die Liebe Gottes sind stärker und lassen diesen Jesus über das irdische Dasein hinaus leben bei Gott. Voraussetzung ist aber, dass er auch ein Ja zu Gott und seinem Willen gesagt hat, er sich helfen und lieben ließ.
Das Einmalige für uns Menschen dabei ist aber nicht nur, dass in Jesus unsere Bestimmung aufgezeigt wird, sondern dass dieser Jesus jeden von uns auf den Weg führen und mitnehmen will, an dessen Ende Leben in Fülle wartet (vgl. Joh 10,10). Darum können wir sagen, dass seine Auferstehung unsere Auferstehung ist. Das Ja Gottes zu ihm ist das Ja zu jedem, der mit ihm gehen will. Jeder, der sich von Jesus an der Hand nehmen und mitführen lässt, der sich von ihm, wenn‘s sein muss, sogar ein Stücklein tragen lässt, wird durch alle Widerwärtigkeiten des Lebens hindurch den Weg zum Vater gehen können. Wenn wir zu Gott wollen und uns an Jesus anhalten, kann uns nichts daran hindern: das zeigt uns die Auferstehung Jesu.
Er nimmt uns an, so wie wir sind, vergibt die Schuld, wenn wir davon loslassen, vollendet alles Unvollkommene unseres Lebens. Es geht in der Auferstehung nicht um eine zweite Chance, wie es der Glaube an die Reinkarnation lehrt, der sagt, dass wir noch einmal auf die Welt kommen werden und dann die Möglichkeit hätten besser zu sein. So wie wir sind, mit unserem einmaligen, einzigartigen Leben nimmt Gott uns an und vollendet uns.
Diese großartige Möglichkeit unseres Lebens, dass es dazu bestimmt ist, Vollendung auf Dauer bei dem zu finden, von dem es ausgeht, und dass er wirklich stärker ist als alles Negative, Schreckliche und Bedrohende, dem wir begegnen, sagt die Botschaft von Ostern. Freude darüber - Auferstehungsfreude - kann aber nur wachsen, wenn wir diese genannte Wirklichkeit im Kleinen und Alltäglichem immer wieder erfahren können. Wo z. B. Menschen mit und trotz Schuld und Gebrechen angenommen werden, ihnen mit verzeihender Liebe begegnet wird, dort wird für sie die Liebe mächtig, bricht durch, was Auferstehung heißen kann. Wenn sich jemand einem anderen mit aufrichtigem Herzen, ohne Vorteile zu haben, zuwendet, zeigt sich, dass die Liebe, die Gott ist, über alles Negative die Oberhand behält.
Lassen wir uns immer mehr erfüllen von der Kraft Christi, versuchen wir verstärkt, den Weg mit ihm zu gehen, damit wir andern viele solche kleine Erfahrungen von Auferstehung schenken und ihnen helfen können, auch dorthin zu finden, wo Leben in Fülle ist.
Ihr Dechant und Pfarrer Dr. Erich Linhardt
Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi ist eine freudige Botschaft, die jedem Menschen gilt. Jesus hat sich in seinem Leben für Gewaltlosigkeit und für die Würde jedes einzelnen Menschen eingesetzt. Weil jeder Mensch ein von Gott geliebtes Geschöpf ist, gilt jedem Menschen Respekt, Achtung und Hilfe. Das hat Jesus in besonderer Weise vorgelebt.
Nach der Auffassung der Zeitgenossen Jesu war sein Tod am Kreuz aber eine Schande. Er wurde nach damaligem Verständnis zu einem Entrechteten, einem Menschen, der von Gott verlassen ist.
Daraus können wir eine Frage an uns stellen: Ist man von Gott verlassen, wenn man Nächstenliebe so konkret leben will, wie Jesus? Nein, im Gegenteil, denn durch die Auferweckung Jesu hat ihm Gott eine über alle Zeiten bleibende Bedeutung gegeben. Gott hat durch die Auferweckung Jesu sein Leben bestätigt.
Wer wie Jesus versucht, gewaltlos und achtsam für alle Mitmenschen zu leben, der macht Gott erlebbar, der macht Auferstehung in der Gegenwart erfahrbar.
In der Bibel lesen wir noch an einer anderen Stelle, dass Helfen göttlich ist. Beim Evangelisten Matthäus lesen wir: „Alles was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“
Die Liebe zu Gott und den Nächsten ist also die Summe der ganzen Bibel. Sie ist der Sinn unseres Lebens, der Sinn der ganzen Schöpfung. Die Liebe zu allen Geschöpfen ist der Weg, auf dem uns der Auferstandene Jesus Christus begleiten wird.
Damit das unter uns mehr Wirklichkeit wird, feiern wir Ostern, stehen auch wir auf zum Leben. Das Osterfleisch, das Osterbrot und alle Gaben des Ostermahles sollen für uns ein Zeichen sein, das Gott uns in der Auferstehung Jesu für das Leben der Nächstenliebe stärkt. Ein Leben, das gut schmeckt und uns zur Freude führt. Ein Leben, das zur Liebe herausfordert und zur Gemeinschaft unter uns führt. Ostern ist die Zeit der Freude, ist die Zeit für ein Festmahl, denn Christus ist von den Toten auferstanden. Er ist bei uns und schenkt uns seinen Geist.
Mag. Erwin Löschberger
© Dekanat Voitsberg 2006, 2007 - Letzte Aktualisierung dieser Seite am 9. 5. 2009